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Bericht Reiter und Pferde in Westfalen


 Er ist waschechter Westfale, auch wenn er die meiste Zeit seines
 Profi-Springreiterlebens nicht in der Heimat verbracht hat. Doch jetzt
 wird der 28-Jährige wieder präsenter in der westfälischen Pferdewelt,
 denn Tim Rieskamp-Goedeking ist in heimatliche Gefilde zurückgekehrt.
 Für den westfälischen Verein RV Westerkappeln-Velpe-Lotte war er immer
 am Start, seit Anfang April hat er sich auf der Reitanlage von Lutz und
 Christa Gössing in Steinhagen selbstständig gemacht. Unterstützt wird er
 dabei von seiner Partnerin Isabell Zegers aus dem rheinischen Lindlar,
 die gelernte Pferdewirtin ist, auf Dressurerfolge bis Klasse S und das
 Goldene Reitabzeichen verweisen kann; Isabells Familie ist Ex-Besitzer
 der Reitanlage Gestüt Hausgrund in Lindlar.
 
Viele Stationen gemacht
 
Während seiner Stationen in diversen Turnierställen von Nord- bis
 Süddeutschland war es Tim Rieskamp-Goedekings langjährige Freundin
 Isabell, die stets seine Entscheidungen mitgetragen hat, obwohl sie
 selbst dabei zurückstecken musste, wie Tim mit ein wenig schlechtem
 Gewissen erzählt. Aber es war so – er hat unterschiedliche Angebote
 angenommen, reiterlich reichlich gelernt, gute Pferde zur Verfügung
 gehabt und viele Erfahrungen gemacht. Seine Stationen waren
 Westerkappeln, Gehrde im Osnabrücker Land, Augsburg, Stuttgart,
 Maichingen und wieder Gehrde.
 In dieser Zeit holte er mit Ponys und Großpferden Titel und
 Platzierungen beim Bundeschampionat, war Deutscher Vizemeister der
 Junioren im Springen, kam siegreich und platziert aus internationalen
 Großen Preisen, wurde zweimal hintereinander Champion der deutschen
 Berufsreiter.
 Tims Familie war der eigene, aktive Sport mit Pferden nicht in die Wiege
 gelegt worden – der Großvater war Bäcker, die Eltern besitzen eine
 Gastwirtschaft. Und doch hat sein Vater ein Faible für Pferde entwickelt
 und seinen Sohn in den Reitsport „geschickt“, ihm später Pferde gekauft
 und viel ermöglicht – Tim bezeichnet seinen Vater heute sogar als seinen
 wichtigsten Lehrmeister. Gute Voraussetzungen waren natürlich dadurch
 gegeben, dass sich die Reitanlage des RV Westerkappeln-Velpe-Lotte
 gleich neben der eigenen Gaststätte auf dem Grundstück der Eltern
 befindet; sie ist auch Vereinslokal des RV.
 Der junge Tim begann im Verein zu reiten, bald kaufte ihm sein Vater
 Reitponys für beide Sparten – Dressur und Springen. Der Sohn ritt beides
 gerne, erst am Ende der Ponyzeit kristallisierte sich die Vorliebe fürs
 Springen heraus. Die Reitponyspringstute Angel wurde 1999
 Bundesvizechampioness mit ihm.
 
Einstieg dank Leo König
 
Bald kaufte seine Familie das erste Großpferd beim Händler Leo König in
 Gehrde. Zuvor war Tim in diesem Turnierstall bereits einige Male
 trainiert worden, hatte gelegentlich junge Pferde geritten. Dank Leo
 König ist ihm letztlich der Einstieg in den großen Turniersport
 gelungen. Mit den drei König-Pferden Lucille Marie, RAS Fidele und
 besonders Cordiana hat er seine Zeit als Junior/Junge Reiter erfolgreich
 bestritten. Ein LKW, Pfleger, Equipment und auch internationale
 Turnierstarts standen ihm offen – dank Leo König.
 Tim wurde mit Cordiana Deutscher Vizemeister der Junioren im Parcours. 
Die Stute wurde später vom Belgier Leon Melchior gekauft und ging unter
 Jos Lansink in zwei Weltcup-Prüfungen, ehe sie zu einem Reiter nach
 Italien kam. Sie war so gut, dass Tim schon als 16-Jähriger mit ihr bei
 den German Masters in Stuttgart an den Start ging. Mit Lucille Marie
 gewann er im gleichen Zeitraum einen internationalen Großen Preis im
 französischen Reims. Viele Pferde qualifizierte er fürs
 Bundeschampionat, meist wurden sie allerdings dort nicht mehr gestartet
 oder schon vorher verkauft – „das Bundeschampionat war nie unser
 Saisonziel“ erklärt Tim.
 
Profireiter zu werden war klar
 
Logisch, dass Tim Rieskamp-Goedeking auf diesem Erfolgslevel Profireiter
 werden wollte und eine Lehre zum Pferdewirt Schwerpunkt Reiten
 absolvierte, und zwar bei Mathias Janßen.
 Das Jahr 2005 verbrachte er als Soldat in der Bundeswehr-Sportkompanie
 in Warendorf. Dort wurde er von Ausbildungschef Manni Kötter trainiert.
 „Eine sehr lehrreiche Zeit war das“, blickt Tim heute zurück, „ich bin
 froh, dass ich dort hin konnte“.
 Für ein halbes Jahr kehrte er hiernach zum Betrieb König zurück, bis ihn
 die Aussichten auf noch bessere sportliche Möglichkeiten in den Stall
 von Wolfgang Puschak nach Augsburg lockten. „Dort gelang der Durchbruch
 auf große internationale Turnieren wie zum Beispiel Arezzo, oder Aachen
 im Vorfeld der Weltreiterspiele“, fasst Tim diese Zeit zusammen.
 Im Herbst 2006 standen aber plötzlich seine drei guten Pferde zum
 Verkauf. Da hatte Tim das Glück, dass er bei der neuen Besitzerin gleich
 gemeinsam mit seinen drei „alten“ Pferden anfangen durfte. Er verließ
 den Stall Puschak, und wechselte in den Dienst von Brigitte Vöster-Alber
 aus Stuttgart – manchem vielleicht noch unter ihrem früheren Namen
 Brigitte Sittmann und als Mäzenin von Hartwig Steenken bekannt.
 Tim bestritt Turniere und trainierte Sandra Daniela Alber, die Tochter
 seiner Chefin. Das Training der Pferde fand auf der Anlage der Familie
 Aufrecht in Stuttgart statt, ehe der Reitstallbetrieb von Aufrechts
 aufgegeben wurde, hiernach in Maichingen. Zwei Jahre lehrte und lernte
 Tim dort sein Handwerk. Ladina, Casario und Graf Gandalf waren seine
 Spitzenpferde; Graf Gandalf beispielsweise wurde unter ihm 2006
 Bundeschampion der sechsjährigen Springpferde. Mit Ladina und Casario
 holte er 2006 und 2007 den Titel „Champion der deutschen
 Berufsreiter/Springen“.
 
„Einer unserer besten deutschen Nachwuchsreiter“
 
Nach zwei Jahren fiel der Entschluss sich gemeinsam mit Freundin Isabelle
 selbstständig zu machen – doch mit deren Beginn zum 1. April 2008 stand
 er zunächst auch ohne Pferde da. Es war wieder einmal sein alter Freund
 Leo König, der ihm zur Seite stand. Tim Rieskamp-Goedeking zog zurück
 auf die Anlage in Gehrde, doch pachtete er nun auf eigene Rechnung einen
 Stalltrakt mit 15 Boxen. Sofort gab Leo König ihm mehrere Berittpferde
 und andere Besitzer zogen schnell nach.
 „Nach zwei Wochen waren alle 15 Boxen voll und wir starteten durch“
 erinnert sich Tim gerne. Zwei Jahre gingen schnell ins Land, schon 2010
 erhielt Tim die Turnierpferde der Familie Gössing in Beritt, im
 September 2010 verließ die Springreiterin Mylene Diederichsmeier den
 Steinhagener Stall, um zu ihrem Partner Carsten-Otto Nagel nach
 Schleswig Holstein zu ziehen. „Es war eine schwere Trennung, Mylene war
 zehn Jahre bei uns und gehörte zur Familie“, blickt Lutz Gössing ernst
 zurück.
 Zunächst hatten Gössings auch bekannt gegeben, nun den Turnierstall zu
 schließen, denn sie wollten keine neuen Angestellten suchen und die
 Anlage weiterhin aktiv mit managen. Doch nun sieht die Konstellation so
 aus: Tim und Isabell sind selbständig auf der Reitanlage Gössing,
 Christa und Lutz Gössing haben ihre Turnierpferde bei ihnen in Beritt
 gegeben, das Ehepaar muss sich aber selbst nicht mehr um den
 Trainingsstall kümmern. Sechs Pferde sind es, die von ihnen kommen:
 Solotherma, Royale‘s Son, Quarz, Baladine du Rouet, Keep Smiling und
 Chopin; bis auf Chopin sind alle bereits unter Mylene Diedrichsmeier
 gegangen.
 Lutz Gössing bezeichnet Tim Rieskamp-Goedeking als „einen unserer besten
 deutschen Nachwuchsreiter“. Nachdem der einige Zeit lang die
 Gössing-Pferde erfolgreich auf Turnieren vorgestellt hatte, bat Lutz
 Gössing ihn im Januar 2011 beim Münsteraner K+K-Cup nach Steinhagen zu
 kommen. Nur zwei Monate später waren Tim und Isabell da.
 Mit Quarz hat Tim in Rulle bereits den Großen Preis gewonnen, Solotherma
 war lange verletzt und ist erst jetzt wieder einsatzbereit, Royales Son
 tut sich mit der Umstellung noch ein wenig schwer – „aber mit den
 Pferden kann Tim sich sportlich in den Vordergrund schieben“ so Lutz
 Gössing, „ich hoffe auch, dass er eines Tages Nationenpreise reiten
 darf“. In Kürze steht in Hagen a. T. die erste große Bewährungsprobe,
 nämlich der Auftakt der Riders Tour Etappe für Tim an.
 20 Boxen stehen dem Berufsreiterchampion insgesamt in Steinhagen zur
 Verfügung, außer von Isabell, die die Springpferde dresssurmäßig
 arbeitet, wird er vom jungen Bereiter Marian Müller aus Schwäbisch-Gmünd
 unterstützt.  Eine 20 x 40 m Reithalle, ein riesiger Derby-Rasenplatz
 mit Wall und Gräben, ein Sandplatz á 30 x 80 m, Führanlage und
 Longierzirkel sind vorhanden. Auch der Handel spielt eine Rolle in
 seiner Selbständigkeit. Denn Tim Rieskamp-Goedeking züchtet schon seit
 vielen Jahren, hat derzeit 18 Zucht- und Aufzuchtpferde, die in
 Westerkappeln stehen, und die fortlaufend unter den Sattel und in den
 Verkauf kommen. „Reiten und Handeln geht eigentlich nicht zusammen“ ist
 ihm schon klar – ein bisschen versucht er es trotzdem....